Die Universität Bonn baut zusammen mit sieben weiteren Hochschulen in Nordrhein-Westfalen ein Kompetenznetzwerk zu Tierversuchen auf. Maßgeblich ist dabei das “3R-Prinzip”: Replace (Vermeiden), Reduce (Verringern) und Refine (Verbessern). Ziel ist, den medizinischen Fortschritt mit bestmöglichem Tierschutz in Einklang zu bringen. Die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW Isabel Pfeiffer-Poensgen übergab den Förderbescheid für das 3R-Kompetenznetzwerk NRW in Höhe von 300.000 Euro. Die Geschäftsstelle des Netzwerks soll am Dekanat der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn und einer Zweigstelle an der RWTH Aachen angesiedelt werden.

Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig Forschung etwa für Virusdiagnostik und Impfstoffe ist. Fortschritte sind auch hinsichtlich der Krebsimmuntherapie und der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verzeichnen. Diese Forschung erfolgt meist modellhaft an Tieren. “Wir sind uns bewusst, dass ein vollständiger Verzicht auf Tierversuche auf absehbare Zeit nicht möglich sein wird”, sagt Prof. Dr. Bernd Weber, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Die Folgen für die Lebewesen müssen ethisch gegen den medizinischen Fortschritt abgewogen und ihr Umfang möglichst gering gehalten werden.

​In der Versuchstierkunde gilt deshalb das 3R-Prinzip: Replace, Reduce, Refine. Es geht darum, Tierversuche zu vermeiden, indem auf Ersatzmethoden wie etwa Computermodelle oder Zellkulturen zurückgegriffen wird (“Replace”). Außerdem soll die Zahl der Tiere auf ein notwendiges Minimum reduziert werden (“Reduce”). Schließlich müssen Versuchstiere artgerecht gehalten und ihr Leid etwa durch Betäubung verringert werden (“Refine”). Das 3R-Kompetenznetzwerk NRW soll nun diese Bemühungen gezielt vorantreiben.

​Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes fördert das 3R-Kompetenznetzwerk NRW mit 300.000 Euro zunächst für ein Jahr. „Es ist ein Ziel der Landesregierung, Tierversuche auf ein absolut notwendiges Minimum zu reduzieren und vielleicht auch eines Tages vollständig zu ersetzen“, sagte Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die nun den Förderbescheid an der Universität Bonn übergab. „Unbestritten ist jedoch auch, dass in der Grundlagenforschung und für die Entwicklung neuer Therapien in der Medizin auf den Einsatz von Tierversuchen in absehbarer Zeit noch nicht vollständig verzichtet werden kann“, so die Ministerin weiter. „Mit der Bündelung der in Nordrhein-Westfalen vorhandenen wissenschaftlichen Kompetenzen kann das 3R-Netzwerk ein wichtiger Treiber für Innovationen, unter anderem auf dem Feld von Alternativmethoden, werden und dabei den medizinischen Fortschritt mit bestmöglichem Tierschutz in Einklang bringen.“

 

Verantwortungsvoller Umgang

„Tierschutz ist ein wichtiges Ziel im Rahmen der biomedizinischen Spitzenforschung. Daher freut es uns außerordentlich, dass die Medizinischen Fakultäten der Exzellenzuniversitäten Bonn und Aachen die zentralen Standorte des neuen Kompetenznetzwerks sind“, sagt Unirektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch. „Herzlich danke ich der Ministerin, dass sie diese wichtige strategische Initiative mit der Förderung maßgeblich unterstützt.“

Um aus noch einzelnen Aktivitäten ein in ganz Nordrhein-Westfalen abgestimmtes und schlagkräftiges 3R-Kompetenznetzwerk einzuführen, bedarf es eines strategischen Ausbaus mit einer langfristig angelegten Förderung. „Mit der Gründung des Netzwerkes wird die Förderung biomedizinischer 3R-Forschung zum Tierwohl einen bedeutenden Schritt machen“, sagt Prof. Dr. Rene H. Tolba, Direktor des Instituts für Versuchstierkunde der RWTH Aachen und des Uniklinikums Aachen. „Dies wird einen verantwortungsvollen Umgang mit der Thematik gewährleisten, gerade angesichts der großen Erwartungen der Gesellschaft an diesen Forschungsbereich für die Zukunft.“

Durch die Schaffung und Förderung von 3R-Zentren in Nordrhein-Westfalen sollen keine Parallelstrukturen zu bereits bestehenden Netzwerken der Tierschutzbeauftragten entstehen. Es soll vielmehr gezielt die Forschung, Innovation und Ausbildung auf dem Gebiet von 3R gefördert werden. Dekan Weber sagt: „Es geht darum, Synergien zu schaffen, da sich die Standorte entsprechend ihrer Schwerpunkte einbringen und austauschen werden.” Damit verbunden ist auch die Förderung der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit sowie der Fort- und Weiterbildung zu 3R. Das Netzwerk startet zunächst mit einer Geschäftsstelle an den medizinischen Fakultäten in Bonn und Aachen. In einem zweiten Schritt soll dies auf die weiteren medizinischen Fakultäten ausgedehnt und schließlich auch die Gesamtuniversitäten und außeruniversitäre Einrichtungen umfassen.