Neue Auswertung: Nicht 29 Prozent, wie die Allbright-Studie bei den Top-100 Familienunternehmen offenbarte, sondern nur erschreckende 13,6 Prozent der Top-500 Familienunternehmen haben eine Frau in der Führung. 

Knapp 9 von 10 der Top-500 Familienunternehmen haben keine Frau in der Führung, ergab die aktuell Auswertung der Top-500 Familienunternehmen in Deutschland durch die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC und die INTES Akademie für Familienunternehmen. „Das ist kein Schönheitsfleck. Jetzt ist die Next Generation gefragt die Unternehmen auch in diesem Punkt in die Neuzeit zu holen!“ fordert der langjährige Experte für Familienunternehmen Dr. Dominik von Au. 

Familienunternehmen unterliegen nicht der kürzlich von der Bundesregierung beschlossenen Frauenquote. Denn die wenigsten sind börsennotiert oder mitbestimmt. „Die Quote ist ein richtiges Signal, obwohl sie nicht an den Kern des Problems geht, sondern nur Symptome behandelt. Mit der geringen Attraktivität der MINT-Fächer bleibt ein großes strukturelles Problem. Bei vielen anderen Ursachen, wie der unzureichenden Individualisierung von Arbeitszeitmodellen und der schwierigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf, können jedoch insbesondere auch die Familienunternehmen vorangehen und von sich aus zeigen, dass es bessere Wege als die Quote gibt, dem wichtigen Ziel der erhöhten Diversität in Führungsgremien nachzukommen.“ 

Denn Handlungsbedarf besteht hier genauso. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung sind eindeutig, und leider vernichtend: Lediglich 13,6 Prozent der Top-500 – Familienunternehmen haben mindestens eine Frau in der operativen Führung. Anders gesagt: 432 der 500 größten Familienunternehmen haben eine rein mit Männern besetzte Geschäftsführung bzw. einen rein männlichen Vorstand. 

„Es gibt jedoch die begründete Aussicht darauf, dass sich an diesem Ungleichgewicht in den kommenden Jahren etwas ändert“ sagt Dr. Dominik von Au und stützt sich dabei auf die globale NextGen-Studie 2019 von PwC, an der nahezu 1.000 NextGens (darunter ein Drittel Frauen) teilnahmen. „Es zieht die weiblichen Nachfolger in Familienunternehmen immer stärker in die Verantwortung“, so von Au. Ob Frau oder Mann, rund 81 Prozent von ihnen streben grundsätzlich eine – wie auch immer ausgekleidete – führende Rolle im Familienunternehmen an. Das gilt für die globale Auswertung, aber auch für die Befragung unter deutschen NextGens. 

Auffällig ist aber auch, dass weibliche NextGens in Familienunternehmen sich weniger häufig als ihre männlichen Kollegen in der CEO-Rolle sehen. Mit Blick auf die kommenden Jahre wollen nach der PwC/INTES-Untersuchung über 70 Prozent der männlichen NextGens ganz konkret in eine CEO-Position, aber nur rund 30 Prozent der weiblichen. Sie übernehmen anders Verantwortung und sehen sich tendenziell eher in der Rolle der aktiven Gesellschafterin mit einer Position im Aufsichtsgremium. Dominik von Au erklärt: „Die weiblichen NextGens, die in solche Aufsichtsgremien aufrücken, sollten ihre starke Position in diesen Gremien nutzen, um auf eine höhere Diversität in der Geschäftsführung hinzuwirken“. 

Er ist überzeugt: „Die NextGen kann der treibende Faktor für Veränderung sein. Denn die Nachfolgerinnen und Nachfolger besitzen die Fähigkeit zur schonungslosen Selbsterkenntnis und den Mut, in der Vergangenheit Bewährtes in Frage zu stellen und die notwendigen Veränderungen gegen Widerstände durchzusetzen. Sie hat in meinen Augen längst verstanden, dass es ohne Diversität keine Zukunft gibt“.