Die Bundesstadt Bonn stellt in den kommenden Jahren die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele im eigenen kommunalen Handeln in den Mittelpunkt und will damit noch nachhaltiger werden. Das haben Oberbürgermeister Ashok Sridharan und die Mitglieder des Verwaltungsvorstandes bei der Vorstellung der ersten kommunalen Nachhaltigkeitsstrategie am Mittwoch, 13. Februar 2019, deutlich gemacht. Sie bildet den Rahmen für die Zeit bis 2030.

Der Rat der Stadt Bonn hat Anfang Februar die erste kommunale Nachhaltigkeitsstrategie verabschiedet. Diese Strategie ist Bonns Beitrag zur systematischen Umsetzung der 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Über zwei Jahre wurde sie im engen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft erarbeitet. Daran schloss sich ein mehrmonatiger politischer Beratungsprozess an, in den zahlreiche Fachausschüsse involviert waren.

Wie kann die große Vision einer weltweit nachhaltigen Entwicklung, zu der sich alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen mit Verabschiedung der Agenda 2030 am 25.September 2015 verpflichtet haben, von Städten und Gemeinden hier in Nordrhein-Westfalen umgesetzt werden? Das war die zentrale Frage des Pilotprojekts „Global nachhaltige Kommune in NRW“, an dem sich die Stadt Bonn beteiligt hat. Als eine von 15 Modellkommunen erarbeitete sie in dem Projekt eine kommunale Nachhaltigkeitsstrategie. Darin werden die in der Agenda 2030 formulierten 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs) auf sechs Themenfelder kommunalen Handelns in Bonn übertragen. Neben umfassenden Nachhaltigkeitsleitlinien, die ein Szenario für 2030 beschreiben, enthält die Strategie Maßnahmen für die nächsten drei bis fünf Jahre.

„Bonn positioniert sich als Stadt, die ihr Handeln systematisch nachhaltig ausrichtet und damit die Stadt zukunftsfähig macht. Die Nachhaltigkeitsstrategie ist für uns der Rahmen für die kommenden elf Jahre bis zum Jahr 2030“, betont Oberbürgermeister Ashok Sridharan. „Als UN-Stadt sind wir besonders verpflichtet, die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele im eigenen kommunalen Handeln umzusetzen.“ Die Strategie zu erarbeiten habe gut zwei Jahre gedauert. Der Dank des Oberbürgermeisters geht an alle Kolleginnen und Kollegen aus allen sechs Dezernaten, die an der Strategie mitgewirkt haben, sowie an die Projektarbeitsgruppe mit Repräsentanten aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft.

 

Systematische Agenda mit bestehenden Konzepten und neuen Vorhaben

Getreu dem Motto: „Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch“ wurden bestehende Konzepte und Ratsbeschlüsse um laufende und geplante Vorhaben ergänzt und zu einer systematischen Agenda nachhaltiger Stadtentwicklung zusammengeführt, die mit dem Ratsbeschluss eine verbindliche Marschrichtung für die nächsten Jahre vorgibt. Basierend auf dem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz der Agenda 2030 sind in die Strategie auch die kommunalen Handlungsfelder einbezogen, die bisher nicht explizit im Kontext der Nachhaltigkeit betrachtet wurden, wie der Themenkomplex Gesellschaftliche Teilhabe und Geschlechtergerechtigkeit. Die anderen Themenfelder sind: Mobilität, Klima und Energie, Natürliche Ressourcen und Umwelt, Arbeit und Wirtschaft sowie Globale Verantwortung und Eine Welt.

 

Der Bogen der Strategie ist weit gespannt

Der Bogen in der Strategie ist weit gespannt: Der Ausbau der Biodiversitätsstrategie der Stadt, die energetische Sanierung im Bestand, der Ausbau erneuerbarer Energien, die verstärkte Förderung von Mischbautypen bei Neubauvorhaben oder der zunehmende Einsatz von Bioprodukten in der städtischen Gemeinschaftsverpflegung sind ebenso gelistet wie Aktionstage zur familienbewussten Personalpolitik, die Bildung eines neuen Netzwerkes „Nachhaltigkeit“ mit 200 bis 300 Unternehmen, oder die Stärkung der Bürgerbeteiligung.

Auch die Förderung der Partizipation von Migrantinnen und Migranten, die Erprobung eines Modells „Führen in Teilzeit“ bei der Stadtverwaltung sowie die partizipative Fortschreibung des behindertenpolitischen Teilhabeplans sind Bestandteile der Strategie.

Im Bereich Mobilität ist der Ausbau des ÖPNV durch neue Verknüpfungspunkte und –linien vorgesehen. Der Radverkehr soll unter anderem durch die Einrichtung von Mobilstationen, das Schließen von Lücken im Fahrradroutennetz oder den Ausbau von Radschnellwegen gestärkt werden. Zur Warenlieferung in der Innenstadt soll eine Infrastruktur aufgebaut werden, die den Einsatz von E-Lastenrädern und E-Nutzfahrzeugen vorsieht.

Durch ein Konzept zur „Nachhaltigkeit im Sport“ unter Einbeziehung der Vereine und Beschaffung von Sportmitteln aus fairer Produktion soll globale Verantwortung in Bonn weiter gestärkt werden. Auch die Zahl der Fair-Trade-Schulen soll erhöht, faire Kitas ins Leben gerufen, die faire kommunale Beschaffung ausgeweitet und die kommunalen Projektpartnerschaften mit Städten aus anderen Kontinenten weiter intensiviert werden.

Entsprechend der umfassenden Relevanz der Strategie waren zwölf Fachausschüsse in die Beratung involviert. Die Verwaltung wird nun dem Rat regelmäßig einen Bericht zur Umsetzung und Weiterentwicklung vorlegen.

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Bonn gibt es hier: http://www2.bonn.de/bo_ris/daten/o/pdf/18/1812770.pdf.

 

Hintergrund: die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO

Am 25. September 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen mit der Agenda 2030 die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs). Die SDGs umfassen alle Themenfelder einer nachhaltigen Entwicklung: vom Meeres- und Klimaschutz über Armutsbekämpfung bis hin zu menschenwürdiger Arbeit und Rechtsstaatlichkeit. Umwelt- und entwicklungspolitische Ziele sind damit erstmals in einer gemeinsamen globalen Agenda zusammengeführt.

Die SDGs richten sich an alle Länder und sollen zukünftig auch in Deutschland für Bund, Länder und Kommunen handlungsleitend werden. Die 2016 neu aufgelegte Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung basiert auf den SDGs, ebenso die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen. Bonn hat sich mit Unterzeichnung der Musterresolution des Deutschen Städtetages im Februar 2016 zur Umsetzung der SDGs auf kommunaler Ebene verpflichtet.